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Fachtagung "Qualität im Ganztag"

15.05.2010 14:36 Alter: 9 yrs

Fachtagung "Qualität im Ganztag"

Kategorie: Presse - News

Seit ca. 6 Jahren gibt es im Mühlenkreis eine wachsende Anzahl von offenen Ganztagsgrundschulen. An diesen Schulen haben Eltern die Möglichkeit, ihre Kinder bis in den Nachmittagsbereich hinein gut versorgt zu wissen. Nach dem Unterricht wird den angemeldeten Kindern nicht nur eine freundliche Betreuung geboten, sondern die Gelegenheit zu sozialen Kontakten, Spiel, Spaß, Bildung, Hausaufgabenbetreuung und ein Mittagessen.

Engagierte Mitarbeiter/innen setzen dies mit begrenzten finanziellen Ressourcen, aber einem großen Herzen und viel Kreativität um. Um die Qualität zu steigern, ohne die Aussicht auf weitere finanzielle Unterstützung, wird auf Austausch und Weiterbildung gesetzt. Zu diesem Zweck hat sich ein „regionaler Qualitätszirkel OGGS“ gegründet, in dem Fachleute aus Erziehung, Bildung, Ausbildung sowie Vertreter kommunaler Gebietskörperschaften sich zusammengeschlossen haben (Vertretern der Schulträger, der Schulämter, der Schulen und Ganztagsteams, Vertreter der Ganztagsberater, der Berufskollegs für Erzieher, des Studienseminars für Grundschulen, der Jugendämter, der Ganztagsträger, des Kompetenzteams, des Kreissportbundes und Elternvertretern), um den Ganztag und die dort tätigen Kräfte (Erzieher und Lehrkräfte) zu unterstützen. Einrichtungsübergreifend sollen Mindestanforderungen und damit Richtwerte für Ganztagseinrichtungen der Region zur Verfügung gestellt werden, die wiederum als Grundlage für gegebenenfalls politische Forderungen in Bezug auf Finanzen, Räume oder Mitbestimmung dienen können.

Als 1. öffentliches Angebot veranstaltete der Qualitätszirkel am 7. und 8. Mai 2010 eine Fachtagung unter dem Titel „Qualität im Ganztag“.

Tag 1 der Veranstaltung mit einem Besucheraufkommen von ca. 200 Personen bot Vorträge zu relevanten Themen des Ganztages („Das Verhältnis von Bildung, Betreuung und Erziehung im offenen Ganztag“, „Soziales Verhalten und Kulturtechniken beim Mittagessen erlernen“, „Von den Hausaufgaben zur Lernzeit“), gefolgt von einem informellen Teil zum Austausch der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Im ersten Vortrag verdeutlichte Frau Elisabeth Brinkman, Ganztagskoordinatorin aus Hamm, dass Ganztagsschulen mehr bieten als Unterricht und reine Betreuung. Sie dienen der Förderung sozialer Kompetenzen, bieten die Möglichkeit für besondere Unterstützungsbedarfe unabhängig von der finanziellen Situation der Eltern, schaffen sinnvolle Freizeitangebote und verringern so die Gefährdung von Kindern. Sie schaffen ein breiteres Bildungsangebot in größeren zeitlichen Freiräumen als Schule bislang zur Verfügung stellen konnte und tragen somit zur Befriedigung des gestiegenen und für unser Land so wichtigen verstärkten Bildungsbedarfs bei.

Der Ausbau und die Konzeption von Ganztagsschulen holen Hausaufgaben verstärkt zurück in den Schulalltag, führte Frau Dr. Jutta Standop von der Universität Bielefeld im 2. Vortrag aus. Insbesondere vor dem Hintergrund der andauernden Streitfrage über den Sinn und Nutzen von Hausaufgaben ist deren Lernerfolg für die Schüler bislang nicht wissenschaftlich erbracht worden. Unabhängig davon sind die Elternerwartungen an die Hausaufgabenbetreuung im Offenen Ganztag sehr groß, nehmen sie doch an, dass die schulische Zukunft ihres Kindes eng damit verbunden ist. Durch die  Hausaufgabenbetreuung im Ganztag ergeben sich nun Chancen für eine veränderte Hausaufgabenkultur, die die Bildungsentwicklung und nicht die Abschlussorientierung in den Mittelpunkt stellt.

Matthias Bartscher berichtete über gelungene Elternberatung und –arbeit im Kontext von Ganztag. Die von ihm vertretene Elternschule Hamm ist aus verschiedenen Initiativen zur Verstärkung der Elternbildung in Hamm hervorgegangen. Im Jahr 2000 fanden sich Vertreter und Vertreterinnen der wichtigsten Handlungsfelder (Jugendhilfe, Kindertageseinrichtungen, Schule, Erwachsenenbildung, Gesundheitssystem) in einer Projektgruppe zusammen, um unter einem gemeinsamen Dach die Aktivitäten zu bündeln, zu optimieren und zu intensivieren. 

Der 2.Tag (mit ca. 150 Teilnehmern) stand im Zeichen der „best practice“. In parallel laufenden Workshops werden zentrale Probleme und ihre Lösungen im Alltag vorgestellt: „Rhythmisierung in Ganztagsklassen“, „Essenskultur im Ganztag“, „Selbstbehauptungskurse im Nachmittagsbereich“, „So funktioniert die offenen Ganztagsschule“ und „teutolab-chemielabor Naturwissenschaften zum Anfassen“ waren die Themen der gut besuchten Foren. Anschließend erarbeiteten die Teilnehmer in einem Großgruppenverfahren (World-Café) die Frage nach den Basisstandards im Ganztag.

Die wichtigsten Forderungen in diesem Kontext bezogen sich auf eine „gute Vernetzung“ von Vormittags- und Nachmittagsbereich unter Einbeziehung von Eltern, Lehrkräften und Ganztagsmitarbeiterinnen. Gewünscht werden gemeinsame Regeln in Schule und Ganztag sowie eine Verzahnung der beiden Bereiche, Kooperation von Lehrkräften und Personal des offenen Ganztages auf Augenhöhe. Es wurde auch die geringe Teilnahme von Lehrkräften an dieser Fachtagung – ca. 2% der Teilnehmrinnen und Teilnehmer kamen aus dem schulischen Bereich - bedauert. Weitere Forderungen bezogen sich auf die Rahmenbedingungen wie Zeit, Finanzen, Räumlichkeiten und Quantität wie Qualität des Personals im Ganztag. So erfuhr die Veranstaltung großes Lob im Rahmen der Forderungen nach mehr Fortbildung, auch hier war der Wunsch nach gemeinsamen Fortbildungen mit den Lehrkräften verbunden.

Der regionale Qualitätszirkel OGGS wird die Anregungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufgreifen und sich auch weiterhin einrichtungs-, träger- und kommunalübergreifend für die qualitative Weiterentwicklung des offenen Ganztages einsetzen.